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Fibromyalgie oder Fibromyalgiesyndrom (FMS) bei Erwachsenen

Eine andere Sichtweise

Vorweg und stark verkürzt → unsere Behandlungs-Grundlage:

Aufgrund eigener Studien (Schmilgeit, 2017) und jahrelanger Beobachtung in unserer Praxis ist unsere Erkenntnis:

  1. Wegen der Ähnlichkeit der Symptome haben etliche Patienten fälschlicherweise die Diagnose „Fibromyalgiesyndrom“ und werden daher nicht optimal behandelt.
  2. Chronische und schmerzhafte Veränderungen der Faszienstruktur haben FMS-ähnliche Symptome und werden häufig in der Diagnostik übersehen oder sind medizinisch nicht bekannt.
  3. Patienten mit Faszienveränderungen haben gute Chancen auf deutliche Verringerung oder Beseitigung der Schmerzen.

Vom vagen Gefühl zur Erkenntnis, dass es auch anders geht

Der Grund für diese Ausführungen ist, dass die Beobachtungen in unserer Praxis nicht stimmig sind mit den derzeit gängigen Erklärungsmodellen der Medizin, die dann als Leitlinien für die Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms (FMS) ausgegeben werden.
Dies machte mich (Carsten Schmilgeit) stutzig und neugierig zugleich. Immer wieder kamen Patienten zu uns in die Praxis, die zwar eine FMS-Diagnose hatten, aber eigentlich großenteils die gleichen Beschwerden haben wie unsere anderen Patienten, die wir als „typische“ Faszien-Patienten kennen.
Dieses Interesse gipfelte 2017 in meiner Masterarbeit zum Thema Fibromyalgie zum Abschluss meines Psychologiestudiums mit dem Schwerpunkt in Gesundheitspsychologie (Schmilgeit, 2017). Da ich wissen wollte, wie die Studienergebnisse weltweit bei der Behandlung des FMS aussehen, entschied ich mich für eine systematische Literaturstudie, um diese Ergebnisse miteinander vergleichen zu können. Meine Masterarbeit war zwar limitiert auf Ergebnisse durch psychologische Maßnahmen, aber meine Neugierde und meine wöchentlichen Beobachtungen in der Osteopathiepraxis sorgten dafür, dass ich mir weit über diese Beschränkung hinaus die Studien-Ergebnisse in den verschiedensten Therapiebereichen anschaute. Die gefundenen Ergebnisse waren mehr als ernüchternd und deckten sich nicht mit meinen persönlichen Erfahrungen, die wir bei uns in der Praxis machten. Unsere durchschnittlichen Ergebnisse waren bei Patienten mit einer FMS-Diagnose, zumindest in unserer Wahrnehmung, weit überdurchschnittlich besser als die gefundenen Ergebnisse der medikamentösen, physiotherapeutischen oder der psychologischen Maßnahmen. Da uns das Geld und vor allem die Zeit fehlt für eine umfangreiche Studie unseres Behandlungskonzeptes bei FMS, bleiben es zu diesem Zeitpunkt im streng wissenschaftlichen Sinne unbewiesene Hypothesen. Allerdings zeigen unsere täglichen Erfahrung zu deutlich einen Unterschied zu den aktuellen medizinischen Leitlinien. Wir konnten schon vielen unserer Patienten mit einer FMS-Diagnose  (leider nicht allen) erheblich helfen.

Im Folgenden eine Gegenüberstellung der derzeitigen medizinischen Leitlinien mit Kommentaren und Ergänzungen unserer Sichtweise.

  • Chronische Schmerzen sind weltweit ein häufiges und kostspieliges Phänomen (Jackson et al., 2016). Schätzungsweise sind 20% der Weltbevölkerung von chronischen Schmerzen betroffen (Turk, Wilson, & Cahana, 2011). Der größte Anteil der Beschwerden sind Schmerzen am Bewegungsapparat (Rücken, Nacken, Beine etc). Bezüglich der Fibromyalgie oder besser des FMS schätzen Wolfe, Brähler, Hinz and Häuser (2013) den Anteil in der deutschen Bevölkerung auf ca. 2,1%.
    Allerdings gibt es weltweit keinesfalls Einigkeit bei der Diagnose und Klassifikation des FMS.
  • Folgt man der aktuellen Leitlinie der Deutschen Schmerzgesellschaft (DGSS) unter umfangreichen Beteiligung von 11 medizinischen Fachgesellschaften, Verbänden und unter weiterer Beteiligung der Deutschen Pharmazeutische Gesellschaft (Stand 2017, in der 2. Überarbeitung, geplant war offiziell eine weitere Überarbeitung April 2022, diese ist bisher, Oktober 2022, nicht online auffindbar), dann gelten in der medizinischen Leitlinie folgende Aussagen: → es folgen Auszüge der Leitlinien, mit denen wir NICHT übereinstimmen.

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Behandlungstermin

Wenn es direkt losgehen soll

Leitlinie:

Das FMS wurde in den American College of Rheumatology (ACR) 1990 Klassifikationskriterien durch chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen und Druckschmerzhaftigkeit von mindestens 11/18 Tender Points definiert.

unsere Sichtweise:

Diese Definition macht für uns keinen Sinn, denn viele uns bekannte fasziale Probleme betreffen die gesamte Faszienstruktur des Körpers. Daher kann man an den verschiedensten Stellen des Patienten drücken und erhält eine schmerzhafte Rückmeldung, die in der Leitlinie als „Tender Point“ zu sehen wäre. Ebenso gibt es den Widespread-Pain-Index, kurz WPI, der für uns ebenfalls keine diagnostische Verbesserung darstellt.

Leitlinie:

Kernsymptome des FMS sind chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, Schlafstörungen bzw. nicht-erholsamer Schlaf und Müdigkeit bzw. Erschöpfungsneigung (körperlich und/oder geistig).

unsere Sichtweise:

Wie oben schon dargestellt, sind Schmerzen in mehreren Körperregionen für uns auch erklärbar mit faszialen Veränderungen des ganzen Körpers. Weil diese bei größerem Umfang insbesondere auch in Ruhe Schmerzen verursachen, können viele Patienten schlecht zur Ruhe kommen. Nach einiger Zeit in einer bestimmten Ruhe- oder Schlafposition werden die entsprechenden Bereiche schmerzhaft und verhindern damit den erholsamen Schlaf. Schlechter Schlaf stresst die verschiedensten Körpersysteme (hormonell, vegetativ, mental), dies führt zu einem höheren Tonus des Muskel- und Fasziensystems, welches wiederum den Schmerz in Ruhe verstärkt. Daher stellt sich die Henne/Ei-Frage: schlecht schlafen wegen Schmerzen oder Schmerzen wegen schlechtem Schlaf… Egal in welche Richtung die Kausalität zeigt, das Ergebnis ist ein sich verstärkender Teufelskreis über einen längeren Zeitraum, häufig mit einer Zunahme der Schmerzen.

In der Vorgängerversion der aktuellen Leitlinie

(Patientenversion der wissenschaftlichen Leitlinie „Definition, Ursachen, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms“, o. D.) war noch fogendes Statement vorhanden:

Das FMS ist durch medizinische Maßnahmen nicht heilbar.

unsere Sichtweise:

Diese Statement ist erfreulicherweise nicht mehr in der aktualisierten Version zu finden. Auch wenn es so explizit in den neuen Leitlinien nicht mehr vorhanden ist, hat sich jedoch an den derzeit gängigen Therapien wenig geändert und ist zumindest ein Indiz für die meist unbefriedigenden Ergebnisse der üblichen Therapieformen. Solche Ergebnisse sind nicht deckungsgleich mit unseren Erfahrungen in der Praxis für einen großen Teil unserer Patienten mit einer FMS-Diagnose.

Mögliche Erklärungen, warum unsere Ergebnisse abweichen

  • Die medizinische Diagnose FMS nach den Leitlinien ist eine Ausschlussdiagnose, d. h. man untersucht, ob man andere körperliche oder mentale Beschwerden findet, die die Symptome (chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, Schlafstörungen bzw. nicht-erholsamer Schlaf und Müdigkeit bzw. Erschöpfungsneigung (körperlich und/oder geistig)) ebenfalls hinreichend erklären könnten.
    Findet der Arzt bei der Untersuchung keine weiteren Hinweise für eine andere Erklärung, dann bleibt die FMS-Diagnose „übrig“.
    unsere Sichtweise/Erfahrung:

    Fast kein Arzt kennt sich mit Faszien aus. Dies hat historische Gründe aus frühen Fehleinschätzungen in der Bedeutung dieses Bindegewebes. Daher wird in der ärztlichen Ausbildung den Faszien (obwohl die Faszien als „Ganzkörper-Organ“ durchschnittlich ca. 20 kg der Körpermasse ausmachen) keine diagnostische Aufmerksamkeit geschenkt. Also, obwohl Faszien einen riesigen Teil unseres Gewebes ausmachen, bei allen möglichen Prozessen des Körpers eine Schlüsselrolle spielen und enorm viele Rezeptoren aufweisen, die als Nozizeptoren (Schmerzwahrnehmung) funktionieren können, stellen sie quasi einen weißen Fleck in der medizinischen Diagnostik dar, d. h. viele Ärzte sind ohne Absicht auf diesem Auge „blind“.
    Daher werden unserer Erfahrung nach Schmerzen der Faszien, wie auch häufig bei orthopädischen Beschwerden, NICHT als Faszienbeschwerden ärztlicherseits erkannt. Somit werden unserer Einschätzung nach viele Patienten als FMS-Patienten diagnostiziert, obwohl Faszienbeschwerden vorliegen, die eigentlich gut zu behandeln wären.

Zusammenfassung unserer Hypothese und unser Behandlungsgrundlage:

  • Die Fibromyalgie oder Fibromyalgiesyndrom-Diagnose ist eine „Restekisten-Diagnose“. (Jedoch gut, dass es diese Diagnose gibt, da sonst irtümlicherweise einige Patienten als „Simulanten“ oder „Psychos“ abgestempelt würden.)
  • Unserer Behauptung nach sind jedoch viele (aber nicht alle) FSM-Patienten fehldiagnostiziert, weil man die Faszien in zahllosen Fällen nicht berücksichtigt hat.
  • Faszienbeschwerden können verschiedenste Ursachen haben (mechanisch, hormonell, metabolisch, immunologisch, neurologisch/psychologisch).
  • Wenn die Faszienveränderungen wieder normalisiert werden, verschwinden typischerweise Beschwerden wie Schmerzen (sowohl in Ruhe als auch bei Belastungen) oder Bewegungseinschränkungen.
  • Daher können viele Patienten von einer Faszien-Therapie erheblich profitieren, von der Linderung bis zur Schmerzfreiheit, so dass Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen deutlich weniger werden oder verschwinden.
  • Aber: einige Patienten haben auch andere Beschwerden, bei denen nicht die Faszien ursächlich auszumachen sind. Beispiele wären rein neurologische Schäden, Gewebezerfall, Vergiftungen und einige mehr. Es bleiben dann noch einige Patienten in der „Restekiste“, deren Beschwerden wir auch nicht verstehen.

Unsere Kernaussage:

  • Wahrscheinlich hat ein relativ großer Anteil der Patienten mit der Diagnose FMS veränderte Faszien oder mindestens eine fasziale Mitbeteiligung bei den Beschwerden/Schmerzen.
  • Daher kann wahrscheinlich, so unsere Erfahrung, diesen Patienten mit einer komplexen Faszien-Therapie geholfen werden.
    • Zum Verständnis, was mit „komplexer“ Faszientherapie gemeint ist: wir meinen hier nicht ein bisschen Rollen auf der Faszienrolle oder ein paar Übungen. Je nachdem welche und in welchem Umfang Faszienstrukturen betroffen sind, kommen verschiedene Elemente unseres Behandlungskonzepts zu Einsatz, die meist zu einem großen Teil manuelle Techniken in unterschiedlichen Intensitäten umfassen. Aber, je nach Ursache der Faszienveränderung, sind auch z. B. Bereiche der Ergonomie oder Ernährung zu beachten, denn verschiedene Gründe können, wie oben dargestellt, zu Veränderungen der Faszienstrukturen und damit zu Schmerzen führen.

Unser Behandlungsplan bei FMS

In dieser Reihenfolge gehen wir in 7 Schritten bei der Behandlung von Patienten mit einer FMS-Diagnose vor:

1. Im Vorgespräch schildern Sie Ihre Beschwerden.

Dies haben Sie vermutlich schon bei Ihrem Arzt oder in verschiedenen anderen therapeutischen Settings getan. Wir benötigen aber noch mal Ihre Schilderungen, weil sich daraus
– für uns Hinweise ergeben, inwieweit Ihre Faszien betroffen sind (wie gesagt, dies ist unserer Erfahrung nach häufig der Fall und wird häufig übersehen)
– oder ob sich Ihre Beschwerden für uns völlig ungewöhnlich anhören und dann, zumindest aus unserer Sicht, möglicherweise nicht typisch für veränderte Faszien sind.

2. Wir untersuchen Sie.

Dies beinhaltet meist eine Palpation (Betasten) Ihrer Gewebe. Hier ergeben sich weitere Erkenntnisse, ob es sich aus unserer Sicht um ein Faszienproblem handelt.

3. Wir besprechen mit Ihnen unsere Erkenntnisse und Einschätzung, wie wahrscheinlich Sie von einer Behandlung Ihrer Faszien profitieren würden.

(Anmerkung: anders als im kassenmedizinischen System sind wir in unserem freiwilligen „Geschäftsmodell“ darauf angewiesen, dass Sie zufrieden sind. Wir können nicht hellsehen, verfügen aber über einige Jahre Erfahrung bei der Behandlung von Faszien. Da wir uns über viele Jahre einen guten Ruf bei der Behandlung hartnäckiger Fälle aufgebaut haben, haben wir kein Interesse, Ihnen Behandlungen „aufzuschwatzen“, die Sie nicht benötigen oder weiterbringen.)

4. Wenn es sich aus unserer Sicht um ein Faszienproblem handelt, beraten wir Sie über die nächsten Schritte.

5. Wir behandeln Sie.

Abhängig vom Feedback der ersten Behandlungen passen wir unsere Behandlungen an und reduzieren üblicherweise Schritt für Schritt Ihre Beschwerden bis Sie zufrieden sind oder sich keine zusätzlichen Verbesserungen mehr einstellen.

6. Im besten Fall sind Sie dann beschwerdefrei oder haben im zweitbesten Fall eine ausreichende Linderung,

um wieder die Dinge tun zu können, die Ihnen wichtig sind.

7. Abhängig vom vermuteten Grundproblem, welches möglicherweise zu Ihren veränderten Faszien geführt hat,

zeigen wir Ihnen oder beraten Sie, wie Sie sich ggf. selbst helfen können, um Ihre Faszien in einem besserem Zustand zu halten, so dass möglichst Ihre Beschwerden zukünftig nicht wieder auftreten.

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Quellenangaben

Deutsche Schmerzgesellschaft. Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms. Available from: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/041-004.html [cited: 29.10.2022] Internet: www.awmf-leitlinien.de

Jackson, T., Thomas, S., Stabile, V., Shotwell, M., Han, X., & McQueen, K. (2016). A systematic review and meta-analysis of the global burden of chronic pain without clear etiology in low-and middle-income countries: trends in heterogeneous data and a proposal for new assessment methods. _Anesthesia & Analgesia_, _123_(3), 739–748. Retrieved from http://journals.lww.com/anesthesia-analgesia/Abstract/2016/09000/A_Systematic_Review_and_Meta_Analysis_of_the.27.aspx

Patientenversion der wissenschaftlichen Leitlinie „Definition, Ursachen, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms“ (o. D.). https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/145-004p_S3_Fibromyalgiesyndrom_2017-03-abgelaufen.pdf

Schmilgeit, C. (2017). Effects of Cognitive Behanvioral Therapy on Fibromyalgia in Pain Reduction in Adults – a systematic review (unveröffentlichte Masterarbeit). University of Liverpool.

Turk, D. C., Wilson, H. D., & Cahana, A. (2011). Treatment of chronic non-cancer pain. The Lancet, 377(9784), 2226–2235. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(11)60402-9

Wolfe, F., Smythe, H. A., Yunus, M. B., Bennett, R. M., Bombardier, C., Goldenberg, D. L., Tugwell, P., Campbell, S. M., Abeles, M., & Clark, P. (1990). The American College of Rheumatology 1990 Criteria for the Classification of Fibromyalgia. Report of the Multicenter Criteria Committee. Arthritis and rheumatism, 33(2), 160–172. https://doi.org/10.1002/art.1780330203
 
Wolfe, F., Brähler, E., Hinz, A., & Häuser, W. (2013). Fibromyalgia prevalence, somatic symptom reporting, and the dimensionality of polysymptomatic distress: results from a survey of the general population. Arthritis care & research, 65(5), 777–785. https://doi.org/10.1002/acr.21931
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